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Entstammt Georg Michael von Holten aus Hamburg altem Mecklenburgischen Adel?





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Als er sich im Jahre 1867 abbilden läßt, vermittelt der zu dem Zeitpunkt in seinem zweiundsiebzigsten Lebensjahr stehende dem Betrachter das Bild eines mit sich und seinem Lebenswerk vollauf zufriedenen Mannes. Behäbig hingelehnt und Gelassenheit ausstrahlend, schaut der massige Mann unter buschigen Augenbrauen gleichsam, als ließe er die Stationen seines Lebens noch einmal vor seinen Augen Revue passieren. Aber auch Tatkraft und Entschlußkraft spricht aus seinem Gesicht, dessen energisches von einer gepflegten Schifferkrause geziert wird, und in dem ein schmallippiger Mund unter einer mächtigen Nase unmißverständlich klar macht, hier ist einer, der weiß, was er will. Selbstbewußt sieht er aus und er war es wohl auch.

Georg Michael von Holten
Zu nicht unerheblichem Wohlstand hatte er es gebracht, der hamburgische Tabaksmakler Georg von Holten, den die Reproduktion einer Lithographie zeigt, die ich aus dem hamburgischen Staatsarchiv erhielt.

Geboren wurde er als zweites von 9 Kindern des Goldschmiedemeisters Adrian Michael von Holten und dessen Ehefrau Anna Ilsabe geb. Enters am 12.12.1794 in Hamburg, Stubbenhuk 41; er wurde in der St. Michaelis-Kirche (Michel) getauft und erhielt nach seinem Vater den zweiten Vornamen Michael.

Der Vater hatte sein Goldschmiedeamt im Dezember 1804 verkauft und dafür die Landstelle Saselberg in Sasel / Holstein erworben. Als ältester Sohn, erbte Georg von Holten nach dem Tode des Vaters am 25.04.1848 diesen Besitz; die Mutter war bereits im Jahre 1831 durch Ertrinken verstorben.

Der Besitz wird in der "Topographie des Herzogtums Holstein", Band 2, Kiel 1908, Seite 99ff wie folgt beschrieben: "Saselberg 1 km westlich (von Sasel), vormalige Landstelle, Ländereien minderwertig, das dazugehörige Alsterufer schön bewaldet und der dort entlang führende Fußsteig ein gern aufgesuchter Spazierweg. Jetzt nur noch Villa der früheren Besitzerin Frl. Henriette von Holten (sie blieb unverheiratet) und des jetzigen Besitzers Chr. Albert Schulz."

Georg Michael von Holten heiratete am 29.05.1825 in Hamburg in St. Nicolai die drei Jahre jüngere Catharina Margaretha Hagemann, die ihm zwei Söhne und eine Tochter gebar. Er selbst hatte, nachdem er Grundeigentum vorweisen konnte, die Bürgerrechte seiner Heimatstadt Hamburg am 05.02.1819 erlangt und übte seinen Beruf als Tabaksmakler aus von seinem Hause Zippelhaus 110 (eine Straße unmittelbar am Binnenhafen / Zollkanal) in Hamburg.

Er starb am 02.04.1875 in Hamburg und wurde in Bergstedt bei Sasel begraben; seine Ehefrau starb ein knappes Jahr zuvor am 25.04.1874 auf Saselberg und hatte ebenfalls in Bergstedt ihre letzte Ruhe gefunden.

Interessant ist, daß Georg Michael von Holten offenbar nur sehr wenig über die Herkunft seines Geschlechts wußte, finden wir doch in "Der Adel der freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck", Band III, 3. Abteilung (Nürnberg 1871) folgende Aussage: "Ein Herr v. Holten (Georg Michael) in Hamburg gibt an, daß die Familie von altem Mecklenburgischen Adel mit Zweiglinien in Dänemark und Schweden sei (?)". Das Fragezeichen weist schon aus, daß diese Aussage in Zweifel gezogen wurde. Es heißt dann weiter "Übrigens kommen Personen dieses Namens auch in Berlin, Osterende, Otterndorf und Leer, in Hannover und Schöppenstedt in Braunschweig vor. Auch existieren in Hamburg Herren von Holt und von Holdt, wahrscheinlich alle >van<, obgleich die Familie vom Holte und von Holten schon 1462 im Hamburger Rat vorkommt." Danach werden dann noch die von Holtze (vam Holte) angeführt.

Wir wissen, daß aus der Schreibweise der Familiennamen aber auch gar nichts auf vorhandene oder nicht vorhandene genealogische Verbindungen zu Familien mit ähnlich geschriebenen Familiennamen ableitbar ist. Einzig und allein haben durch Urkunden belegte Nachweise Beweiskraft.

Im Falle des Georg Michael von Holten verfügen wir über solche. Sein Großvater Johann von Holt, ebenfalls wie der Vater Goldschmiedemeister in Hamburg, wurde nämlich am 24.06.1714 in Wilster getauft und hatte dort auch das Licht der Welt erblickt. Wie uns Ernst-Werner Beken (+) in seiner Ausarbeitung über die Nachkommen des Schmiedemeisters Hein von Holten belegt, gehört Georg Michael von Holten der von uns so genannten "Wilster-Linie der von Holte" an; von altem mecklenburgischen Adel findet sich in dieser Linie nun wirklich keine Spur.

Sicher können wir davon ausgehen, wenn wir dem Georg Michael von Holten keine unlauteren Gründe für seine unzutreffende Annahme unterstellen wollen, daß für ihn wie auch für die meisten anderen Menschen die Herkunft der Vorfahren völlig im Dunkeln lag. Die nicht durch schriftliche Aufzeichnung belegte Überlieferung reicht selten über die Generation der Großväter hinaus. Ein Grund mehr, im Rahmen unserer Vereinsarbeit Geschehnisse festzuhalten und Vergangenes wieder zu entdecken.

Peter J. von Holdt


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