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Zwei Münzen der Münsteraner Bischöfe von Holte





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Die Münsteraner Bischöfe, darunter auch drei Mitglieder der Familie von Holte, hatten das Recht zur Münzprägung. Im nachstehendem Bericht wird ein wenig auf die Person der Bischöfe und auch auf die Bedeutung der im allgemeinen üblichen Münze, dem Denar, eingegangen.

Die Münsteraner Bischöfe von Holte

1. Burkhart (auch: Burchard, "der Rote") von Holte, 18. Bischof von Münster 1097 - 19.03.1118

Von HEINRICH IV. Anfang 1098 zum Bischof von Münster erhoben, gehörte Burchard zu dessen engsten Ratgebern bis zur erzwungenen Abdankung des Kaisers Ende 1105. Seines Amtes enthoben, trat Burchard der Rote Anfang 1106 auf die Seite HEINRICHS V. über. Daraufhin musste er seine kaisertreu gebliebene Stadt verlassen. Auf der Flucht geriet er in die Hände Heinrichs IV., der ihn gefangen nach Lüttich führte. Vom sterbenden Kaiser empfing er hier Ring und Schwert, um sie dessen Sohn zu übergeben. Auch unter HEINRICH V., von dem er zum Kanzler für Italien ernannt wurde, erwies sich Burchard der Rote als verlässliche Stütze des Salischen Königtums. 1110 begleitete er HEINRICH V. nach Italien, wo auf seinen Rat hin die Gefangennahme des Pabsts Paschalis' II. erfolgt sein soll. Mehrfach exkommuniziert, nahm Burchard der Rote auch an Heinrichs zweiten Italienzug 1116 teil. Auf einer 1118 in dessen Auftrag unternommenen Gesandtschaftsreise nach Konstantinopel fand er den Tod. Seinen Bischofssitz, der mehrmals schwer heimgesucht wurde, hat Burchard der Rote durch einen Mauerring gesichert. (Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 945)

1104 bis 1106. Die innen- und außenpolitischen Konflikte von Kaiser Heinrich IV. verschärfen sich durch das Eingreifen seines Sohnes Heinrich V. auf Seiten seiner Gegner. Als sich 1104 die Fürsten und der Adel gegen Heinrich IV. auflehnen, macht sich Heinrich V. diese Empörung zunutze und fällt von seinem Vater ab. Heinrich V. begründet seinen Schritt damit, dass die Politik seines Vaters die Einheit des Reiches gefährde, und dass es nur ihm gelingen könne, mit der Kirche Frieden zu schließen. Heinrich IV. hat es nicht vermocht, die Lösung vom Kirchenbann zu erreichen, obwohl er Papst Pachalis 11. für die Freisprechung vom Bannfluch eine Kreuzfahrt nach Jerusalem versprochen hat. Der Bruch mit seinem Vater erklärt sich jedoch auch daraus, dass Heinrich V. nach seiner Wahl zum König 1098 dem Vater einen Eid leisten musste, der ihn von jeglicher Mitregierung ausschloss. Gestützt auf den Adel beruft Heinrich V. einen Reichstag nach Mainz ein. Er sichert seinem Vater freies Geleit zu, nimmt ihn jedoch 1105 auf der Burg Böckelheim hinterhältig gefangen und zwingt ihn in der Pfalz Ingelheim zur Herausgabe der Reichsinsignien. Heinrich IV. verzichtet auf den Thron, verweigert aber die Ablegung eines Sündenbekenntnisses. 1106 lässt sich Heinrich V. auf dem Reichstag in Worms als alleiniger und rechtmäßiger Herrscher anerkennen. Heinrich IV. gelingt die Flucht; er sammelt ein starkes Heer und schlägt am Gründonnerstag 1106 die Streitmacht seines Sohnes. Wenig später, am 7. August 1106, stirbt Heinrich IV. jedoch in Lüttich. (Chronik der Deutschen, S. 204)

Um das Bistum Münster gegen feindliche Angriffe aus dem Süden zu schützen, ließ Bischof Burchard von Holte 1115 auf künstlich erhöhtem Gelände in den feuchten und moorigen Niederungen am Zusammenfluss von Heubach und Kettbach eine Wasserburg erbauen (dat hues to Dulmene). Die Burg kontrollierte die alte Heer- und Handelsstraße von Köln entlang des Rheins nach Wesel über Haltern, die Große Teichsmühle und Dülmen nach Münster. In Dülmen kreuzte sie sich mit einem Fernweg von Soest über Lüdinghausen nach Deventer. Der erste Burgbau bestand vermutlich aus einem Holz-Erde-Wall mit davor gelegenem Wassergraben und einem Bergfried. Als Herzog Lothar von Sachsen 1121 Münster eroberte, wurde auch die bischöfliche Burg Haus Dülmen zerstört.

Haus Duelmen

In verschiedenen Abhandlungen wird Burkhart von Holte den Osnabrücker Edelherren von Holte zugeordnet, jedoch scheinen daran in anderen Quellen Zweifel zu herrschen. Rolf von Holdt ist in seinem Aufsatz "Die Osnabrücker Dynasten von Holte", Mitteilungsblatt Nr. 12 vom Januar 1991, im Vorwort recht ausführlich auf die zum Teil doch sehr verwirrenden Nennungen und Zusammenhänge eingegangen, ohne selbst zu einem genaueren Abschluss zu kommen. Sollte Burchard den Osnabrücker von Holte angehört haben, so ist jedoch eine genaue genealogische Einordnung nicht möglich.

Weitere Literatur zu Burchard:
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DHGE X, 1242 - LThK II, 783 - NDB III, 27 - A. Hechelmann, Burchard der Rote, ZVGA 26, 1866, 281-332 [mit Reg.] - G. Meyer v. Knonau, JDG H. IV u. V, 5-7, 1904-1909 [Nachdr. 1965-1966], passim - K. Löffler, Die westfäl. Bf.e im Investiturstreit, Münstersche Beitr. zur Gesch.forsch. NF 2, 1903, 25-34 - H. Börsting - A. Schröder, Hb. des Bm.s Münster I, 1946, 64-69 - H. Börsting, Gesch. des Bm.s Münster, 1951, 42f. - F. Hausmann, Reichskanzlei und Hofkapelle unter Heinrich V. und Konrad III. (MGH Schr. 14, 1956), 52-58 - Series episcoporum ecclesiae catholicae occidentalis V, I, 1982.

2. Ludolf von Holte, 27. Bischof von Münster 1226 - 10.06.1247

Ludolf von Holte gehörte gesichert den Osnabrücker von Holte an. Er war ein Sohn des Wilhelm I., der oft der Stammvater der Osnabrücker Dynasten genannt wird. Bereits vor seiner Ernennung zum Bischof war Ludolf von Holte ab 1212 Kapitular (Mitglied der geistlichen Körperschaft) an der Domkirche zu Münster. 1221 und 1223 soll er als Probst von Friesland genannt worden sein. Nach seiner Weihung war der Beginn seiner Amtszeit durch die Bestrebungen geprägt, die seit dem ersten Münsteraner Bischof Liudger (791-26.03.809) mit Münster verbundenen Friesengaue stärker unter die geistliche Gerichtsbarkeit zu bringen. Die freiheitsliebenden Friesen wiedersetzten sich mit Gewalt diesem Unterfangen. 1227 begab sich Ludolf deshalb selbst nach Friesland und verschärfte die Strafen bei Vergehen gegen die Geistlichkeit. Wenig beeindruckt erhoben sie sich schon bald nach der Heimkehr Ludolfs in noch größerem Umfang.

In seiner Amtszeit bekamen die Städte Beckum, Warendorf, Telgte (1238) und Ahlen durch ihn das Stadtrecht verliehen. Das Zisterzienserinnenkloster Marienbuch wurde vermutlich 1246 auf einem Hoftag des Bischofs Ludolf zu Wolbeck in Anwesenheit des Ortspfarres von Ostbevern abgesprochen. Der Gründungskonvent kam wohl aus Kloster Marienborn (Nordrh.-Westf.). In Wolbeck lies er auch eine feste Burg errichten, die in ihren Ausmaßen eher bescheiden, dafür aber von ungewöhnlicher Bauweise war. Es handelte sich um einen achteckigen, sehr wuchtigen Wohnturm mit dicken Mauern und kleinen Fensteröffnungen, der von einem Wassergraben umgeben war. Über eine Zugbrücke - sie führte ins erste Geschoss - konnte die Burg betreten werden. Wolbeck war damit, neben anderen Orten, zu einer Residenz des Fürstbischofs geworden, und zwar zu einer bevorzugten, denn die Nähe zur Hauptstadt Münster verschaffte der Landesburg an der Angel eine besondere Bedeutung.

3. Wilhelm II. von Holte, 29. Bischof von Münster 1259 - 27.12.1260

Wilhelm II. von Holte war ein Bruder des 27. Bischofs von Münster, Ludolf von Holte. Von 1227 bis 1259 ist er als Kapitular in Münster bezeugt, nach der Ausarbeitung von Rolf von Holdt soll er aber zwischen 1227 und 1240 als Domherr bzw. auch als Dompropst in Osnabrück genannt worden sein. Innerhalb seiner kurzen Amtszeit hatte er noch nicht die Bischofsweihe erhalten. Er wurde am 03.01.1261 im Kloster Loccum begraben.

Aus Wilhelms Regierungszeit sind dem Verfasser keine Münzprägungen bekannt, die Ursache liegt vermutlich in seiner kurzen Münzherrschaft und der vermutlich damit verbundenen geringen Anzahl von Prägungen.

Die Bedeutung des Denars

Der Denar bildete im Mittelalter die beherrschende Münze, er kann als der Vorläufer des Pfennigs betrachtet werden. Die Bezeichnung Denar geht auf die vierhundertjährige Verwendung im Römischen Reich zurück und leitet sich von dem lateinischen deni (je zehn) ab, d.h. der Denar wurde mit zehn Assen (römische Münzeinheit) bewertet.

Nach dem Ende des Römischen Imperiums wurde er erst wieder durch die Münzreformen der Fränkischen Könige Pippin und seines Sohns Karl der Große im ausgehenden achten Jahrhundert als fränkische Hauptmünze eingeführt. Die fränkischen Silber-Denare ersetzten die merowingischen Kleingoldmünzen. Aus einem Karlspfund (etwa 408 - 409 g) wurden 240 Stück Denare zu durchschnittlich 1,7 g geschlagen, wobei das tatsächliche Gewicht zum Teil deutlich davon abweichen konnte.

Vom 11. Jahrhundert an erfolgte eine zunehmende Verleihung des Münzrechts an Äbte, Bischöfe, Grafen, Herzöge usw. und damit begann auch die Zersplitterung des Münzwesens in den deutschen Landen. Von den Münzherren als Einnahmequelle missbraucht, verschlechterte sich, auch infolge einer kaum möglichen Kontrolle durch die Obrigkeit, die Qualität der Münzen stetig. Die Münzen mancher Orte hatten im 13. Jahrhundert nur noch ein Rauhgewicht (Gesamtgewicht der Münze) von 0,3 bis 0,5 g. Die meisten Pfennige waren nur noch von regionaler Bedeutung, von einigen Ausnahmen, wie z.b. den Kölner Denaren, abgesehen.

Die Münzen

Burghard von Holte (1097-1118), Silber-Denar, geprägt um 1100.

Denar Burghard von Holte
Vorderseite:       Kirchengebäude.
Rückseite:         4 Kugeln in Kreuzwinkeln.
Literatur :        Grote, H., Münzstudien, Graz 1969; Sammlung Dr. med. Fr.
                   Bonhoff, Hamburg, Versteigerung bei Busso Peus, Frankfurt 1977, 1978
Gewicht:           1,42g.
Erhaltungszustand: Fast vorzüglich, dunkle Patina.

Ludolf von Holte (1226-1248), Silber-Denar

Vorderseite:       Der Bischof, in den Händen den Bischofsstab und ein Modell einer Kirche.
Rückseite:         Paulus, in den Händen ein Schwert
Literatur:         Ilisch, P., Die mittelalterliche Münzprägung der Bischöfe von
                   Münster, 82, 10, Münster 1994; Grote, H., Münzstudien, 25, Graz 1969.
Gewicht:           1,23g.
Zustand:           Sehr schön, dunkle Patina
Ralf Vonhold


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