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Ist Dietrich ein Bruder von Erich?

Spurensuche bei der Erforschung der Hamburger von Holte





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Kurz nach Gründung unseres Vereins stellte Rolf von Holdt, Hamburg, den Mitgliedern unseres Vereins eine Ausarbeitung über die hamburgische Patrizier-Familie des Namens von Holte zur Verfügung. Es nimmt nicht Wunder, dass hinsichtlich der weit zurück - bis in das 15. Jahrhundert - reichenden Daten häufig Fragen der richtigen Zuordnung auftauchen, zumal der Datenbestand nicht vollständig ist und auch nicht vollständig sein kann. Sicher nicht ohne Grund führte Rolf von Holdt deshalb recht häufig die Formulierungen "soll geboren / verheiratet mit NN gewesen / gestorben sein" an. Den Schatz seiner Aufzeichnungen zu nutzen und möglichst zu ergänzen, ist für uns Verpflichtung und Aufgabe. Von einem Schritt, der uns weiter führte, soll hier berichtet werden.

Rolf von Holdt führt in seinen Aufzeichnungen unter anderem folgendes an: VII.a Dietrich oder Diederich, dessen Geburtsdatum bisher nicht bekannt ist, soll 1617 gestorben sein. Am 26.01.1610 wird Dietrich als Bürger / Rentier genannt. Am 04.02.1610 heiratete er Gertrud von SPRECKELSEN, die vorher mit Johann WETKEN verheiratet war. Am 07.07.1614 führte Dietrich mit seinem Sohn Dietrich eine Beschwerde in Sachen Elbinsel PEUTE. Dietrich hatte drei (3) Kinder, und zwar

a) Margaretha,
geboren 1612 und getauft am 24.10.1612. Nach 1655 soll sie gestorben sein. Margaretha war verheiratet mit Diederich LANGERMANN. Die Ehe wurde am 25.05.1635 geschlossen. Bei (einem anderen) Dietrich, siehe Vl. b), wird unter e) eine Margaretha als Tochter genannt, die mit den gleichen Datei angeführt ist. Eine von beiden muss sicherlich irrtümlich genannt worden sein. Hier sind Überprüfungen noch unbedingt nötig.

b) Diederich oder Dietrich,
geboren am 28.07.1614. Gestorben sein soll er am 03.05. oder 13.05.1649. Dietrich war Kaufmann. Am 07.07.1641 heiratete er Wolber SCHRÖDER (?) wohl Wolber SCHMIDT, Tochter des Erich SCHMIDT. Die Ehe soll kinderlos geblieben sein und

c) Erich,
der 1654 gestorben sein soll, siehe VIII. a). dort folgt dann: Erich, von ihm ist das Geburtsdatum bisher nicht bekannt. Er soll 1654 gestorben sein. In einem Leichengedicht der Commerzbibliothek, Band VI., Nr.63 findet er Erwähnung. Erich hatte studiert und war J. U. L. Verheiratet war Erich mit Anna CLAEN. Es war seine Cousine, Tochter des St. Petri Juraten Hinrich CLAEN und der Catharina geborene von HOLTE.

Im Sommer diesen Jahres suchte Ralf Vonhold, Wabern, die Commerzbibliothek der Handelskammer Hamburg auf, um in den von Rolf von Holdt erwähnten Archivalien zu stöbern. Er wurde dabei fündig und machte sich den Fortschritt der Technik, nämlich die digitale Fotografie, zu nutze. Anstelle umfänglicher Notizen brachte er zahlreiche Bilddateien mit, die jetzt unseren Fundus mehren und darauf warten, hinsichtlich der in ihnen enthaltenen Genealogischen Daten ausgewertet zu werden. Aus der untenstehenden Abbildung einer Seite aus den in der Commerzbibliothek verwahrten Trauergedichten beantwortet sich bereits eine der bisher noch offenen Fragen.

Leichenpredigt Dietrich von Holten

Bei dem genannten Hamburger Bürger Diderici ab Holten (lateinisierter Name ) handelt es sich ganz offenbar um Dietrich von Holten, der am 13. Mai 1649 verstarb (dieses Datum war in der Ausarbeitung von Rolf v. H. noch mit Unsicherheit belegt) und der Gemeinde von St. Nicolai angehörte.

Wesentlich mehr Informationen erhalten wir aus der nachfolgenden Seite.

Leichenpredigt Dietrich von Holten

Weil Dietrich von Holten nicht nur einer vornehmen, sondern auch einer vermögenden Familie angehörte, wurde ihm nicht nur ein, sondern gleich mehrere Trauergedichte gewidmet. Das Titelblatt des in deutscher Sprache gehaltenen vorstehenden Trauergedichts

..Klage und Trost über den frühzeitigen Todt des weiland wohl ehrnvesten
hochachtbaren und hochbenahmten Herren Dietrich von Holtzen

beinhaltet eine Vielzahl an genealogischen Informationen. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Schreibweisen der Vor und Familiennamen sich unterscheiden. Aus Diderici ab Holten wird Dietrich von Holtzen. Dieses nicht etwa zu unterschiedlichen Zeiträumen, sondern von Zeitgenossen zu exakt gleichem Zeitpunkt. Allein aus der unterschiedlichen Schreibweise der Nachnamen, etwa von Holt, von Holten, vamme Holt, vamme Holtzen, vom Holtz, von Holtzen usw. auf die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Familien schließen zu wollen, ist ausdrücklich nicht angezeigt. Wir erfahren aus dem Trauergedicht, dass Dietrich von Holten ein Handelsmann (Kaufmann) in Hamburg (nämlich "allhier") war. Er wurde am 28. Juli 1614 geboren. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater führten den Vornamen Dietrich. Der Großvater war Hamburger (hiesigen Orths) Bürgermeister. Seine Mutter war Gerdraut von Spreckelsen, eine Tochter des Vincent von Spreckelsen. Die genannten sind alle zu diesem Zeitpunkt (1649) bereits verstorben (numehr selige).
Dietrich von Holten heiratete am 07. Juni 1641 Wolber Schröder, weiche eine Tochter des bereits verstorbenen (selig, nachgelassene) Erich Schröder ist, dessen Witwe jetzt (anitzo) 1649 mit Lucas Beckmann verheiratet ist.
Die durch Rolf v.H. gestellte Infragestellung des Geburtsnamens (Schröder oder Schmidt) der Wolber von Holten ist somit beantwortet, auch das Traudatum ist korrigiert (Juni anstelle von Juli). Weiter erfahren wir, dass aus der achtjährigen Ehe des Dietrich von Holten und der Wolber geb. Schröder keine Kinder hervorgingen (unfruchtbare Ehe).
Dietrich von Holten starb am Heiligen Pfingsttage, dem 13. Mai, des Jahres 1649, nachts um halb eins, nach achttägiger Krankheit. Begraben wurde er am 20. Mai mit ansehnlicher und volkreicher Begleitung in der Kirche St. Nicolai.

Aus dem folgenden Bild erfahren wir, dass wir dieses Trauergedicht (dessen Schluss ist auf der linken Bildhälfte abgebildet), mit den enthaltenen Informationen einem Neffen des Dietrich von Holten, nämlich dem Dietrich Langermann, verdanken. Hier geben die Aufzeichnungen von Rolf v.H. weitere Aufklärung. Die ältere Schwester des Dietrich von Holten, Margaretha, war verheiratet mit Diederich Langermann. Sicherlich werden Vater und Mutter Langermann dem jungen Dietrich (der jüngere) bei der Abfassung des Trauergedichts Hilfestellung geleistet haben, denn dieser konnte zu dem Zeitpunkt höchstens im Alter von 14 Jahren gestanden haben.
Das hohe Ansehen, in welchem Dietrich von Holten zu Lebzeiten gestanden hat, wird durch das dritte Trauergedicht (dessen Titelblatt auf der rechten Seite des folgenden Bildes wiedergegeben ist) dokumentiert, weiches vom Archidiakon der Kirche St. Nicolai "in Eil" verfasst wurde. In diesem Trauergedicht werden die aus dem zweiten Gedicht bereits bekannten Daten nochmals angeführt und somit erhärtet.
Des Dietrich von Holten nachgelassene Witwe, Wolber geb. Schröder, verheiratete sich nach Ablauf des Trauerjahres wieder. Hiervon zeugen drei Hochzeitsgedichte, von denen wir Dank Ralf Vonhold jetzt ebenfalls Foto-Dateien in unserem Fundus haben und wovon wir hier zwei vorstellen.

Leichenpredigt Dietrich von Holten

Nebenbei gesagt, der ungewöhnliche weibliche Vorname Wolber ist norddeutschfriesischen Ursprungs und meint "Wolbero" (wol = wolf, und bero = Bär).

Interessant aber ist, daß Wolber ein Jahr später in allen drei Hochzeitsgedichten als Wolbrecht bezeichnet wird, obwohl es sich eindeutig um dieselbe Person handelt. Wolber ( Wolbrecht ) verwitwete von Holten, geborene Schröder heiratete am 29. Juli 1650 in Hamburg Andreas Schwearzen (Schwarz), welcher "beyder Rechten vornehmen Licentiati" war (also bürgerliches und kanonisches Recht studiert hatte). Interessanter Weise ist auf dem (hier nicht veröffentlichten Titelblatt) des dritten Hochzeitsgebietes der Tag der Trauung mit 39. Juli 1650 (am XXXIX. Monatstag July) angegeben (ein solches Datum gibt es bekanntlich nicht, weshalb hier der Hinweis erlaubt sein soll, dass man auch den Datumsangaben in Archivalien nicht uneingeschränkt vertrauen darf).

Hochzeitsgedicht Andreas Schwarz Hochzeitsgedicht Andreas Schwarz

Bei den beiden wiedergegebenen Titelseiten der Hochzeitsgedichte wollen wir hier zum einen auf die unterschiedlichen Schreibweisen des Familiennamens von Holten hinweisen, nämlich

    a) von Holtzen
    b) vom Holtze

und zum anderen auf die Schreibweise des Vornamens des Dietrich von Holten mit

    a) Dietrich
    b) Dieterich

weil letzteres für einen noch darzustellenden Umstand Bedeutung hat.

Hochzeitsgedicht Andreas Schwarz

Das nächste dargestellte Titelblatt eines Hochzeitgedichts beinhaltet trotz seines knappen Inhalts eine gehörige Überraschung. Es kündet nämlich von der Hochzeit des Erich von Holten und der Wolber Schroder, die am 07. Juni 1641 erfolgte. Aus den zuvor dargestellten Archivalien ist nachhaltig bewiesen, dass an eben diesem benannten Tag, dem 07. Juni 1641 in Hamburg der Dietrich von Holten (zu den variierenden Schreibweisen des Familiennamens muß hier nicht nochmals etwas angeführt werden) seine Braut Wolber Schröder heiratete. Fazit des Vergleichs der Namen und Daten kann nur sein, dass es sich bei genannten Erich von Holten und Dietrich (Dieterich) von Holten um ein und dieselbe Person handelt. In vorliegendem Fall war der Vorname Erich vermutlich die Koseform des Namens Dieterich. Demnach sind von dem älteren Dietrich von Holten (dem Vater unseres Dietrich alias Erich) nur die Namen und Daten von zwei Kindern bekannt, nämlich Margarete (Margaretha) und Dietrich.
Ob der so früh verstorbene Dietrich (Erich) von Holten vor seiner Ehe mit Wolber Schröder bereits schon einmal verheiratet war, nämlich wie von Rolf v.H. dargestellt, mit Anna Claen, wäre noch abzuklären. Wenn er aber aus dieser Ehe mit Anna Claen mehrere Kinder (Rolf v.H. nennt sechs Kinder), dann erscheint dieses eher unwahrscheinlich.
Dietrich wurde am 28.07.1614 geboren, heiratete am 07.06.1641 (also im Alter von knapp 27 Jahren) Wolber Schröder. Wenn man das Trauerjahr nach dem Tode einer vermeintlichen ersten Ehefrau (Anna Claen) berücksichtigt, müßte er sich ziemlich gesputet haben, in der ersten Ehe sechs Kinder zu zeugen, biologisch möglich wäre das allerdings schon gewesen. Vermutlich aber liegt hier eine Verwechslung vor.
Die Eingangs genannte Ausarbeitung von Rolf von Holdt kann also entsprechend fortgeschrieben werden. Damit keine Missverständnisse auftauchen, es ist hier ausdrücklich nicht beabsichtigt, einem verdienten Familienforscher Mängel in seiner Ausarbeitung nachzuweisen. Es geht hier ganz nachdrücklich um die Fortsetzung gemeinsamer Forschung. Und dazu gehört neben der Ergänzung und Erweiterung des vorhandenen Datengerüstes eben auch die Beseitigung von Fehlinterpretationen und Fehlern, die bei der Schwierigkeit des Unterfanges und der häufig sehr verworrenen Datenlage zwangsläufig immer wieder auftauchen.
Hinsichtlich der von Rolf v.H. angeführten Schwester Margaretha des Dietrich von Holten hat Ralf Vonhold in der Commerzbibliothek einen Beleg gefunden. Die von Rolf v.H. an dieser Stelle selbst aufgeworfene Notwendigkeit einer Überprüfung ist somit erfolgt und die von ihm angestellte Zuordnung kann als zutreffend bewiesen werden (sh. nächste Seite, rechtes Bild). Margaretae (lateinisierter Name) von Holten hat am 25. Mai 1635 in der hamburgischen Kirche St. Nicolai den Hamburger Bürger und Kaufmann Dieterici Langermanni (lateinisierte Namen) geheiratet.

Hochzeitsgedicht Dietrich Langermann
PJ


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