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Der sagenumwobene Schrank des Claus von Holt und der Abel Tietgen





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Anläßlich der letztjährigen Jahreshauptversammlung hatte unser dänischer Forschungsfreund Ib Holten Fragen nach dem legendären Schrank gestellt, von dem Rolf von Holdt, Hamburg, in seiner 1987 für unseren Verein verfaßten "Stammfolge der Familie von Holte im Raum Oberndorf/Wilster" im Zusammenhang mit dem ersten dort urkundlich genannten von Holt folgendes schreibt: 1632 dürfte Claus geheiratet haben, und zwar Abel Tietgens bzw. Abill Tiedgens. Noch heute befindet sich im Besitz der Familie von Holte ein Wohnschrank mit der Inschrift Abill Tiedgens, 1632. Es muß davon ausgegangen werden, daß der vorerwähnte Schrank zur Aussteuer der Abel Tietgens bei ihrer ehelichen Verbindung mit Claus gehörte. Diesen Schrank hatte bereits der Oberst Immanuel Holten bei seinem Besuch im Stammhof der von Holte in Bentwisch bei Oberndorf am 11. November 1927 gesehen. Er schrieb dazu im Medlemsblad for Slaegtsamfundet Holte (Nr. 10, 10. Dezember 1930):

Bl. a. saa jeg et gammelt, meget smukt Udskaaret Skab fra 1632, som altid har vaeret Paa Gaarden og i Familiens Eje.

Übersetzt: U.a. sah ich einem alten, sehr schönen geschnitzten Schrank, der von jeher vorhanden war im Stammhof und im Eigentum der Familie.

Der Schrank ist in dem dänischen Bericht abgebildet. Ernst-Werner Beken, der uns immer eine Nasenlänge voraus ist, hatte den Schrank erst kürzlich gesehen, als er im Rahmen seiner Forschungen um die Oberndorflinie u.a. den jetzigen Eigentümer des Schrankes aufsuchte. Wie war das nun mit der Inschrift, die ja für die Forschung der Familiengeschichte den Wert einer Urkunde haben kann? E.W. Beken hatte keinen Namen feststellen können. Unser Mitglied Wilhelm von Holte, Herne, erbot sich, die jetzigen Besitzer nochmals aufzusuchen und ein Foto von dem Schrank anzufertigen. Das vom ihm angefertigte Foto ist nebenstehend abgebildet. Auf der Frontseite des Schrankes befinden sich unterhalb der im Schrankoberteil dargestellten Figuren die Inschrift "Fides" und "1632". Weitere Inschriften waren nicht (mehr) aufzufinden. Es wäre gut zu wissen, ob und ggf. wann die weiter oben angegebene Inschrift entfernt/ersetzt wurde. Bei einem dreieinhalb Jahrhunderte alten Möbelstück sind nachträgliche Veränderungen ja nicht so unwahrscheinlich. Es stellt sich somit die Frage nach der Quelle der obigen Information. Die Inschrift "Fides" ist lateinisch und bedeutet soviel wie Treue, Glaube, Ehrlichkeit. Ib Holten hat inzwischen die Besitzer angeschrieben und führt dabei u.a. aus:

In den alten Tagen war es meistens so, daß Handwerk, sei es nun beim Möbel- oder Häuserbauen, ihren Handwerkernamen irgendwo eingravierten oder einschnitzten. Dieser Schrank ist nicht von einem Amateur, deshalb könnte es sein, daß man bei näherer Untersuchung irgenwo in einer oder unter oder hinter einer Schublade den Handwerkernamen finden Kann; oder unter dem Boden oder hinten irgendwo. Diese könnte von außerordentlich großer Bedeutung sein. Man weiß ja nicht, von wo die von Holten anfangs hergekommen sind. Die Sage geht, daß ein kriegsgefangener Holländer oder Belgier den Schrank geschnitzt haben soll um 1632. Warum ein solch wertvolles Möbel als Geschenk? War es ein Hochzeitsgeschenk oder hieß der Kriegsgefangene von Holten? Das ist alles eine Theorie, die, so meine ich, gelegentlich untersucht werden sollte.

Man wird abzusehen haben, was aus der Sache wird. Mag sein, daß das alte Möbel noch eine Überraschung in sich birgt. Ernst-Werner Beken hat die heutigen Besitzer des Schrankes bereits zweimal aufgesucht. Er schreibt dazu:

Die genaue Adresse der Familie Föge lautet: Walter Föge, Wassermühle 6, 2177 Wingst. Die Wingst ist eine landschaftlich sehr schöne bewaldete Geestinsel inmitten der Marsch mit Erhebeungen bis zu 74m über dem Meeresspiegel, etwa 5km lang und 4km breit. Sie liegt etwa 5km westlich von Oberndorf. Die Föges bewohnen dort mit drei Generationen ein sehr schönes, großes, reetgedecktes Bauernhaus auf über 100 Hektar eigenem Grund und Boden. Es sind vermögende Bauern, von den schon der Enkelsohn den Hof übernommen hat. Da es selbstbewußte, heimat- und traditionsverbundene Bauern sind, werden sie den Schrank in der Familie weitervererben. Das halte ich auch für richtig.

Die Verbindung der Familie Föge zu den von Holt zeigt Ernst-Werner Beken wie nachstehend auf:

Carl Wilhelm von Holt

*12.10.1846, Bentwisch

+02.08.1929, Bentwisch

oo 14.11.1873, Bentwisch

Helene Louise von See


Die Tochter des vorstehenden Ehepaares:

Meta Margareta von Holt

* 19.09.1874, Bentwisch

oo 11.11.1896, Oberndorf

Claus Wilhelm Föge aus Wingst


Diese sind die Eltern vom jetzigen Besitzer des Schrankes Walter Föge (über 90 Jahre alt). Der Stammhof der von Holte in Bentwisch wurde vom Bruder der Mutter des heutigen Schrankbesitzers bewirtschaftet:

Ludwig Carl von Holt

* 10.05.1880, Bentwisch

+ 29.08.1924, Bentwisch

oo 18.05.1911, Oberndorf

Martha Helene Horeis aus Moorstrich, Gemeinde Oberndorf


Deren einziges Kind:

Friedrich Wilhelm Albert (gnt. Fritz) von Holt

* 21.02.1916, Bentwisch

x 25.10.1943, Rußland

oo 18.06.1943, Oberndorf

Metta Bertha Johanna Köpke aus Braak, Gemeinde Oberndorf

Die Ehe blieb kinderlos. 1947 heiratete die Witwe Johanna (Hanna) von Holt den Witwer und Landwirt Johann Beckmann aus Freiburg und verkaufte 1961 den zu der Zeit noch 38 Hektar großen Resthof.

Peter J. von Holdt, Tungeln


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