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Die verkauften Hessen





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Als 1775 in Nordamerika die Unabhängigkeitsbestrebungen der dortigen Siedler zum Krieg führten,mußte die englischen Regierung bald feststellen, daß die Kolonialtruppen für den sich schnell ausbreitenden Konflikt nicht ausreichten. Deshalb setzten bald Verhandlungen mit verschiedenen deutschen Kleinstaaten zum Zwecke der Anwerbung sogenannter Subsidientruppen ein, die unter anderem in der Landgrafschaft Hessen-Kassel schnell zum Erfolg führten. Bis zum Ende des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges stellte Hessen-Kassel rund 17000 Soldaten.

Die bis dahin gängige Praxis des Soldatenhandels fiel in eine Zeit der gesellschaftlichen Umwälzungen am Vorabend der französischen Revolution, die bis heute das negative Bild über die "verkauften" Hessen bestimmt. Die Aufklärung brandmarkte die fälschlich so genannten "Soldatenverkäufe" als Menschenschacher.

Im Jahre 1776 litt Hessen noch stark unter den Folgen des erst dreizehn Jahre zurückliegenden siebenjährigen Krieges, dessen Kriegshandlungen die hessische Wirtschaft nicht unbeeinträchtigt hinterlies. Für viele junge Männer der niedrigeren Stände, die entgegen der des öfteren aufgestellten Behauptung nicht mit Gewalt angeworben wurden, blieb oft keine Wahl, als das Auskommen beim Militär zu suchen. Hessen hatte schon zu dieser Zeit ein stehendes Heer, die Wehrpflicht war fest verankert. Die Geldmittel aus dem Handel (ca. 21 Mio. Taler) führten in Hessen-Kassel zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung.

Uniform eines Soldaten des Reg. v. Knoblauch
Uniform eines Soldaten des Garnisons-Regiment von Wissenbach / 1780 von Knoblauch

Aus dem Ort Wernswig (Stadtteil von Homberg/Efze) waren die Brüder Paul und Johannes sowie deren Neffe Reinhard Vonholdt unter den Subsidientruppen. Paul gehörte zur 2. Kompanie des Grenadierbataillon Köhler (ab 1778 Graf), diese Kompanie wurde dem Garnisonsregiment v. Wissenbach / v. Knoblauch angegliedert.

Diese Einheit marschierte Anfang Mai 1776 von Wolfhagen ab. Die Verschiffung erfolgte Anfang Juni in Ritzebüttel, die Ankunft in New York Ende Oktober 1776. Zu den ersten Gefechten gehörte noch 1776 das von Flatbush auf Long Island. 1777 folgten weitere Einsätze im Bereich der Staaten New York, New Yersey und Pennsylvania (Germantown, Redbank, Brandywine Creek). Im Dezember 1779 fand eine Verschiffung nach Carolina statt, worauf Einsätze im Umkreis von Savannah und Charleston anschlossen (u.a. der Sturm auf Fort Moultrie). Ab Juni 1780 war der Einsatzort wieder New York. 1783 ging es von dort aus zurück nach Europa, Anfang Oktober wurde Bremerlehe und am 1.11. Kassel erreicht.

Paul hat seine große Reise gut überstanden, am 4.3.1787 hat er Anna Martha geb. Viehmann in Wernswig geheiratet und hatte mit ihr fünf Töchter.

    Paul Vonholdt
    Sohn von Andreas Vonholdt und dessen Ehefrau Anna Elisabeth geb. Schäfer
    * Wernswig 08.07.1749
    + Wernswig 31.05.1802
    oo Wernswig 04.03.1787
    Anna Martha geb. Viehmann verwitwete Rabe
    * Bischhausen 06.05.1754
    + Wernswig 02.09.1839
Uniform eines Soldaten des Reg. v. Donop
Uniform eines Soldaten des Regiment von Donop / 1784 von Knyphausen

Johannes und Reinhard gehörten der 4. Kompanie des Regiment v. Donop an. "Das Regiment v. Donop rückte am 29.2.1776 aus Homberg aus und wurde am 9.4. bei Bremerlehe eingeschifft. Die Segel wurden am 16.4.1776 gehißt. Das Regiment rückte am 15.8. ins Lager auf Staten Island ein. Es war in folgende Treffen verwickelt: Long Island, Fort Washington, Brandy-wine, Germantown, Springfield. Die Rückfahrt begann am 21.11.1783. Am 22.4.1784 verließ das Regiment in Bremen endgültig die Schiffe und kam am 17.5.1784 in seiner neuen Garnison Kassel an." (Quelle: 2. HETRINA-Band)

Reinhard starb am 13.9.1777 an einer nicht genannten Krankheit auf einem Hospitalschiff. Vermutlich lag das Schiff im Hafen von Philadelphia, denn andere Regimentsangehörige waren zur gleichen Zeit in Philadelphia untergebracht.

    Johan Reinhardt Vonholdt
    Sohn von Johan Adam Vonholdt und dessen zweiter Ehefrau Anna Catharina geb. Bott
    * Wernswig 13.11.1758
    + Philadelphia? 13.09.1777

Johannes hat wenige Jahre nach seiner Rückkehr in die Heimat zweimal geheiratet, seiner zweiten Ehefrau ist er dann in den Nachbarort Siebertshausen gefolgt.

    Johannes Vonholdt
    Sohn von Andreas Vonholdt und dessen Ehefrau Anna Elisabeth geb. Schäfer
    * Wernswig 22.08.1754
    + Siebertshausen 24.02.1807
    oo I. Wernswig 25.03.1787
    Anna Elisabeth Wagner
    * Lenderscheid? April 1756
    + Wernswig 24.04.1790
    eine Tochter
    oo II. Wernswig 27.12.1793
    Anna Catharina Freund
    * Hülsa 01.09.1760
    + Siebertshausen 13.01.1838
    zwei Söhne, eine Tochter

Die Geschehnisse in Amerika wurden in der Heimat mit großem Interesse verfolgt. Die zurückgekehrten Hessen waren bei der Bevölkerung hoch angesehen, hatten sie doch für diese Zeit eine erstaunliche Reise hinter sich und äußerst ungewöhnliche Erfahrungen gemacht.

Ralf Vonhold, Wabern


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